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«Gegen Schlaglöcher in den Herzen kämpfen»

«Gegen Schlaglöcher in den Herzen kämpfen»

14.03.2009 Tages-Anzeiger

Der Ustermer René Krebs gründete vor 15 Jahren Kultur für Kinder (KufKi). Neunmal pro Jahr bietet KufKi im Schulhaus Pünt Theaterstücke für Kinder. Mit René Krebs sprach Eduard Gautschi

 

Herr Krebs, wie kamen Sie auf die Idee, für Kinder eine Kulturreihe auf die Beine zu stellen?

Die Idee entstand, weil ich mit meinem Sohn Fabian, damals 5-jährig, immer nach Zürich fahren musste, wenn ich mit ihm ein Kindertheaterstück sehen wollte. Das fand ich zu blöd, also organisierte ich eine Theaterreihe in Uster.


Das war vor 15 Jahren. Wo fanden damals die Aufführungen statt?
Im Theatersaal des Wagerenhofs. Da die Aufführungen am Nachmittag stattfanden, mussten wir für die insgesamt acht Vorstellungen immer erst die Fenster abdunkeln.

Wie haben Sie die Theaterstücke ausgelesen?
Die meisten Stücke kannte ich gar nicht. Gespielt wurden deshalb vor allem Stücke, die mir empfohlen worden waren. Darunter gabs natürlich Aufführungen, die waren so schlecht, die würden wir heute nie mehr spielen.

Wie gross war im ersten Jahr der Zuschaueraufmarsch?
Die acht Vorstellungen wurden von insgesamt 180 Leuten besucht. Heute haben wir pro Vorstellung mit 170 Besuchern annähernd so viele, wie damals in einem ganzen Jahr.

Seit wann geniesst KufKi in der Turnhalle des Schulhauses Pünt Gastrecht?
Seit acht Jahren. Die ersten drei Jahre spielten wir noch im Singsaal. Einige Jahre waren wir auch noch im Saal des Restaurants Sonne in Oberuster zu Gast.

Ein «richtiger Theatersaal» stand Ihnen nie zur Verfügung?
Nein. Rückblickend muss ich sagen, dass dies zusammen mit der Suche nach Sponsoren und Beiträgen wohl das Hauptproblem des KufKi in den vergangenen 15 Jahren war. Die Turnhalle im Pünt ist ja o.k., die Zusammenarbeit mit dem Hauswart «der besonderen Art», Bruno Ciccotosto, ist fantastisch. Aber es ist natürlich trotzdem etwas mühsam, wenn man vor jeder Aufführung die Vorhänge aufhängen, die Stühle aufstellen und die Bühne einrichten muss.

Und wie siehts mit den Finanzen aus?
Wir kommen über die Runden. Die Stadt Uster bezahlt 14 000 Franken pro Jahr, dazu kommen Beiträge von Migros, Pro Helvetia, einer Versicherung und wechselnden Sponsoren. Auf Rosen gebettet sind wir nicht. Was fehlt, ist Geld für Experimente.

Experimente?
Ich denke da an einen Ganzjahresbetrieb, eine Neuauflage des Kindertheaterfestivals oder an ein Angebot im Bereich Jugendtheater. Jugendtheater wäre eine tolle Herausforderung: Jugendtheater in Zusammenarbeit mit den Schulen. Hier besteht ein breites Angebot, das für Lehrer und Schüler gut dokumentiert ist. Irgendwie fehlt für solche Projekt leider immer der nötige Support.

In Eigenregie lässt sich das nicht durchführen und finanzieren?
Nein. Das wäre für KufKi schlicht zu teuer. Da müsste sich die Stadt Uster engagieren. Dass ich das begrüssen würde, ist kein Geheimnis. Ich glaube daran, dass man sich mit kulturellen Veranstaltungen einen Ruf schaffen kann, der weit über die Region hinaus wahrgenommen wird. Solothurn mit seinen Literatur- und Filmtagen, Willisau mit seinem Jazzfestival und auch Locarno mit seinem Filmfestival – sie haben alle einmal klein angefangen. Heute sind sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt, weil ein paar «Spinner» an ihre Idee glaubten.

Was müsste sich ändern?
Die Einstellung. Die Bereitschaft, für Kultur Geld auszugeben. Ich sage immer: Die Schlaglöcher in der Strasse sind nicht halb so schlimm, wie die Schlaglöcher in den Herzen der Kinder und Erwachsenen. Um diese Schlaglöcher zu beseitigen, braucht es Geld. Usters Politiker könnten sich ja dafür starkmachen, dass 1 Prozent des Budgets für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung steht. Nicht für Mieten und Ähnliches, sondern nur für Veranstaltungen. Damit liesse sich einiges bewegen.

Was bedeutet für Sie Kultur?
Kultur ist Nahrung und Balsam für die Seele. Ob einer Holzmasken schnitzt, Trompete spielt oder ein Bild malt, spielt keine Rolle. Wenn er eine dieser Tätigkeiten ausübt, geht es ihm gut. Das ist wichtig. Wenn andere daran Freude haben, geht es ihnen auch gut. Das ist auch wichtig. Wenn ich die Kinder im Theater beobachte, sehe ich: Sie erleben gerade etwas ganz Besonderes. Etwas Schönes. In Gedanken sind sie ein Teil des Theaterstücks. Sie freuen und ängstigen sich. Vielleicht werden sie sich ein Leben lang daran erinnern. Das wäre doch schön.

15 Jahre KufKi werden am Sonntag ab 10 Uhr mit einem Apéro im Schulhaus Pünt in Uster gefeiert. Zum Jubiläum reden neben René Krebs auch der Zürcher Regierungsratspräsident Markus Notter und der Ustermer Stadtpräsident Martin Bornhauser. Um 11.10 Uhr beginnt die Aufführung des Stücks «Ohne Schuhe», ab 7 Jahren.

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