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Kunst im Kurzformat soll hinter Gitter

Kunst im Kurzformat soll hinter Gitter

12.03.2008 ZO/AvU

Vor 10 Jahren wurde der letzte Gefangene entlassen – nun sollen auf Initiative von drei Innovativen die 26 Zellen mit «Kleinkunst  gefüllt werden. Thema: «Freiheit in Gefangenschaft». (Von Andreas Leisi)


Hallend tönen die Klänge der Schneckentrompete durch den engen Gefängnisgang. René Krebs, Mitinitiant des Projekts Arts Lokus Minimus (ALM), ist eben nicht nur innovativer Kunstveranstalter, sondern auch Musiker. Krebs und sein Sohn Fabian Bockstaller von der IG Kufki haben mit ihrem Projekt «Kleinstkunst in Kleinsträumen », das gemäss Krebs dem aktuellen kulturellen Gigantismus entgegenwirken soll, bei einem Wettbewerb zum Schweizer Kleinkunsttag 2008 den dritten Platz gewonnen.

«Njet» vom Stadthaus
Ursprünglich wollte man das Projekt im Stadthaus Uster, vornehmlich in den WC-Anlagen, verwirklichen. Die Absage, so Krebs, sei mehr als deutlich gewesen. So sei die Idee mit dem ehemaligen Bezirksgefängnis aufgekommen, und innerhalb von drei Wochen habe man von der kantonalen Baubehörde die Bewilligung erhalten, vom 12. bis 14. September 2008 die Räumlichkeiten mit Kleinkunst zu schmücken. Krebs spricht den permanenten kulturellen Raumnotstand Usters an und preist die Lokalität des ehemaligen Gefängnisses in höchsten Tönen: «Unsere Ausstellung soll ein Pilotprojekt sein. Man könnte sich den Ort später auch als institutionalen Kulturplatz vorstellen. Naher S-Bahn-Anschluss, Parkplätze, das Freizeit- und Jugendzentrum und Restaurants in der Nähe.» Der Kostenrahmen für das Projekt beträgt knapp 60 000 Franken. Von der Stadt Uster habe man bereits einen bescheidenen Betrag erhalten, und es würden Unterstützungsgesuche an diverse Stiftungen, die Migros, Pro Helvetia und die kantonale Verwaltung laufen. Man suche aber noch dringend Sponsoren, die im Gefängnisgemäuer auch durchaus ihre Werbung platzieren könnten, sagt Krebs.

Neubelebung der Zellen
Die Räumlichkeiten sind organisiert, ein engagiertes Team ist zugange und die Akzeptanz, das Gefängnis neu zu beleben, sollte vorhanden sein. Fehlen noch die Künstler und ihre Kunstwerke. Das Kufki-Team (Kultur für Kinder), das sich für die Zukunft durchaus eine Namensänderung in Richtung «Kulturproduktion » vorstellen kann, schreibt zu diesem Zweck einen Wettbewerb aus (siehe Kasten). Zum Thema «Freiheit in Gefangenschaft» können Künstler aller möglichen Sparten ihre Eingaben machen. Gemäss Ausschreibung soll das Ziel sein: «Mit kulturellen Events einen vergessenen Ort zu beleben und die gegebenen Örtlichkeiten so zu nutzen, dass sich das Ausstellungsgut dem Betrachter erregend, animierend, anregend und beglückend ins Gemüt einkerbt. » Möglich ist für Krebs beinahe jede Kunstform. Also nicht nur bildende Kunst wie Bilder oder Fotografien, sondern auch Kleintheater wie Pantomime oder Marionettenspiel, Kurzfilme, Kurzgeschichten oder Musik auf Kleinstinstrumenten. Wichtig sei neben der Form der Miniatur auch der Bezug zum Thema, Inhalt der Aussage, formale Gestaltung, Witz und Intelligenz. Die eingegangen Arbeiten würden vom Trägerteam selektioniert und jedem ausgewählten Künstler dann eine Zelle zur Präsentation seines Werks zur Verfügung gestellt. Die Werke können vor Ort bei einer Abgabe von 20 bis 25 Prozent verkauft werden.

Sekt mit der Pipette trinken
Für die Vernissage vom 12. September hat man sich einiges einfallen lassen: Es soll ein Vertreter der Trägerschaft und eine offizielle Person die kürzeste je gesprochene Ansprache halten, Gäste sollen per Picker und Pipette Snacks und Sekt geniessen, und die Stadtjugendmusik präsentiert musikalische 20-Sekunden-Fragmente. Mit der Kurzeinlage der Schneckentrompete hat man so einen Vorgeschmack bekommen, in welche Richtung die innovative Idee geht. 

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